by Lalita B.

 

Die Schlacht

 

Ort und Zeit ... ihr fiel nicht einmal ihr Name ein. Es war kühl, feucht und völlig dunkel. Wo war sie?

Sie hielt in dem Gedanken inne. Sie - war sie eine Sie? Welche Alternativen mochte es geben? Da war nur Dunkelheit. Sie konnte hören, wie sie atmete, gerade so, als sei eine Wand dicht vor ihr. Wer, bei allen Göttern, war sie? Und wo war sie? Welche Optionen hatte sie, um eine Antwort zu finden? Erst einmal nur irgendeine. Auf irgendeine Frage, gestellt oder nicht. Warum war es dunkel - und woher wusste sie, dass dieser Zustand dunkel hieß? Wann hatte sie ihn definiert, und womit hatte sie ihn verglichen? Pochend rief sich ein Schmerz in ihre Erinnerung … zurück? Er war an ihrer Seite, rechts. Sie hielt wieder inne.

Wenn sie Seiten hatte, war sie mehrdimensional. Mindestens zwei, nämlich die schmerzende rechte und die unauffällige linke Seite. Sie waberte in dieser nicht-definierten Sphäre eine Weile hin und her, ohne eine Idee davon zu haben, wohin sie hin und her führen könnten. Dann fand der Schmerz seinen Weg durch die Oberfläche des realen Seins, und sie kam zu Bewusstsein.

Anfangs langsam. Sie lag, und es war immer noch kalt, feucht und dunkel, wie in diesem seltsamen Traum, den sie gehabt hatte. Was konnte geschehen sein? War sie aus dem Bett gestürzt? Ihr rechte Seite schmerzte, als hätte sie sich eine Rippe angebrochen; tiefes Einatmen machte es auch nicht besser. Sie wurde nicht klarer, sondern die Stiche wurden derart unerträglich, dass bunte Lichter vor ihren Augen tanzten. Und warum war es so schrecklich dunkel? War sie etwa auch noch erblindet? War das der Grund, warum sie gestürzt war? Sie musste doch kämpfen, heute war der Tag der Schlacht.

Mit der Gewalt einer in ihren Körper einschlagenden Kriegsaxt traf sie die Erkenntnis. Unmöglich zu sagen, was zuerst gekommen war; der metallische Geschmack von Blut in ihrem Mund oder das Wissen, dass sie an der Schlacht teilgenommen hatte. Immer größer wurde ihr Schmerz, und immer undefinierter der Ausgangspunkt dieser Qualen. Er kam aus ihrem Bein und den Armen, der Seite und dem Rücken, und auch der Mund tat einfach nur weh. Tränen schossen ihr in die Augen, als sie erkannte, dass sie schwer verwundet sein musste. Ihre Arme ließen sich nicht bewegen; der Versuch ließ sie beinahe ihr Bewusstsein erneut verlieren. Dabei war sie sicher, nur ihren Helm gerade rücken zu müssen, um wieder sehen zu können. Doch das konnte sie nicht. Jeder Versuch, sich irgendwie zu bewegen, tat unglaublich weh. Wenn sie nur lag, war da Schmerz, und irgendwie konnte sie ihn nieder ringen. Zumindest soweit, dass sie nicht schreien musste.

Schreien …

Ja, da waren Schreie, angstvoll, von großen Qualen zeugend. Sie waren irgendwie überall um sie herum. Doch da kam niemand, der die Schreienden erlösen konnte vom Schmerz. Wo blieben die Heiler? Wo waren die Krieger, die ihren Mitstreitern halfen, ins Lager zurück zu gelangen, wo sich erfahrene und magisch sehr begabte Leute um ihre Wunden kümmern konnten?

Da war niemand. Keine Schritte, keine Stimmen. Nur Schreie. Wer hatte die Schlacht gewonnen? Gab es überhaupt einen Sieger? Würde Hilfe kommen, oder musste sie hier liegen und sterben, im Schlamm, mit ihren Schmerzen?

Da wurde sie brutal hochgezogen, und es fühlte sich an, als würde sie zerrissen dabei. Sie schrie allen Schmerz und alle Angst heraus.

Hier ist noch einer von den Wichten!“, rief eine laute, tiefe Stimme, die irgendwie ihren Weg durch all den schrecklichen Schmerz fand.

Bring ihn mit!“, lautete die Antwort.

Er ist schon kaputt!“

Dann mach ihn tot!“

Sie spürte nicht mehr, wie das mächtige Karogejschwert durch ihren Helm und in den Schädel drang. Der fremde Krieger hatte die junge, vor Schmerzen schreiende Kämpferin hochgeworfen und zog seinen Hieb brutal durch. Ihr lebloser, fast zerteilter Leib schlug hart auf den Boden und blieb dort zwischen den anderen schwarz-weiß gewandeten Rittern liegen, die ihr Leben in dieser Schlacht verloren hatten. Der Karogej trat noch einmal voller Hass gegen die Leiche; vielleicht hatte dieser Wicht ja seinen Herrn getötet …